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In der Festung > Altes „Regierungsviertel“

Das alte „Regierungsviertel“ am Rheinufer

Rund um den Reichensperger Platz in der Nähe des Kurfürstlichen Schlosses finden sich Gebäude, die eng mit der Geschichte der Preußischen Regierung der Rheinprovinz und somit der Festung Ehrenbreistein verbunden sind. Heute beherbergen die Gebäude das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, das Oberlandesgericht und die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord. Das Landeshauptarchiv erhielt in den 50er Jahren einen Neubau.


Altes Regierungsgebäude

Altes RegierungsgebäudeDas monumentale Alte Regierungsgebäude beherrscht die Szenerie des südlichen Konrad-Adenauer-Ufers. Das Gebäude wurde 1902 bis 1906 unter Leitung des Berliner Baurats Paul Kieschke und des Koblenzer Bauamts als Regierungssitz der Rheinprovinz im wilhelminischen Stil erbaut. Im Hauptbau ist heute das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung untergebracht, im südlichen Nebengebäude ist ein Teil des Oberlandesgerichtes Koblenz untergebracht. Dieser Teil des Gebäudes war die Dienstvilla für den Regierungspräsidenten des Regierungsbezirkes Koblenz. Heute wird der repräsentative Saalbau dieses neoromanischen Baus als Sitzungssaal für Gerichtsverhandlungen genutzt.

Seit 2002 ist das ehemalige preußische Regierungsgebäude Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal, des Weiteren ist es ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention.
Die Anlagen vor dem Alten Regierungsgebäude laden zum Verweilen ein. Von hier kann man die beeindruckenden Ausmaße der Festung Ehrenbreitstein sehen.

Gebäude der Bezirksregierung/Oberpräsidium der Rheinprovinz

Gebäude der Bezirksregierung/Oberpräsidium der RheinprovinzAm südlichen Ende des langgestreckten Regierungsgebäudes gelangt man zum Gebäude der Bezirksregierung. Das Oberpräsidium der Rheinprovinz war seit 1910 der Sitz des Oberpräsidenten der preußischen Rheinprovinz in Koblenz. Es wurde von 1907 bis 1910 auf der Grundlage von Entwürfen der Bauräte Ludwig Bohnstedt, Richard Saran und Thielen an der Nordseite des Kurfürstlichen Schlosses erbaut. Das schlossartige, durch Pavillons gegliederte Gebäude in süddeutschen Barockformen mit Jugendstileinflüssen wurde angeregt durch Werke von Balthasar Neumann und Johannes Seiz und sollte auf die eigene kurfürstliche Vergangenheit anspielen. Das 1944 beschädigte Gebäude wurde nach dem Zweiten Weltkrieg verändert wiederhergestellt, der geschweifte Giebel über dem Mittelpavillon ist nicht erhalten.

An den rund 170 m langen Baukomplex, der im Osten aus dem geschlossenen, fast quadratischen Wohngebäude des Oberpräsidenten bestand, schloss sich im Westen – durch eine Durchfahrt mit der Wohnung verbunden – der langgestreckte Hauptbau an. Die ehemalige Dienstvilla des Oberpräsidenten der Rheinprovinz nimmt heute Dienststellen des Oberlandesgerichtes Koblenz auf. Von 1920 bis 1929 war sie Dienstsitz des Oberkommissars der Interalliierten Hohen Ausschusses für die Rheinlande (Haut Commissaire dans les Provinces du Rhin) Paul Tirard.

In den Jahren 1947 bis 1950 bezog die Landesregierung von Rheinland-Pfalz das Gebäude, danach bis 1999 die Bezirksregierung Koblenz. Seit 2000 ist es Sitz der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord. In unmittelbarer Nähe befindet sich das ehemalige preußische Regierungsgebäude für den Regierungsbezirk Koblenz.

Seit 2002 ist das ehemalige Oberpräsidium der Rheinprovinz Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.

Landeshauptarchiv

LandeshauptarchivDas Landeshauptarchiv Koblenz wurde 1832 als preußisches „Staatsarchiv Koblenz“ gegründet. Seine Vorgängereinrichtungen waren das Städtische Archiv beziehungsweise das Archiv des Département de Rhin-et-Moselle unter Wilhelm Arnold Günther, das auch in preußischer Zeit bis 1826 unter ihm weitergeführt wurde. Das Staatsarchiv bezog die Räumlichkeiten des ehemaligen Regierungsgebäudes von Kurtrier direkt am Rhein, das 1725 unter Kurfürst Franz Ludwig von der Pfalz errichtet und 1902 durch ein neues Preußisches Regierungsgebäude ersetzt wurde. Im Juni 1897 zog es ins umgebaute Deutschherrenhaus um. Die neue Lage stellte sich aber wegen des regelmäßig von Hochwasser bedrohten Gebäudes als problematisch dar. So gab es bereits 1938 Planungen für einen Neubau, die aber wegen des Zweiten Weltkriegs zunächst nicht umgesetzt wurden. Im Krieg wurden die Archivalien 1941 zum Schutz vor den Luftangriffen auf Koblenz in die Festung Ehrenbreitstein ausgelagert. Nachdem diese Notunterkunft noch lange Bestand hatte, das Deutschherrenhaus war zerstört, entschloss man sich 1952 zu einem Neubau. Das Staatsarchiv bezog einen von 1954 bis 1956 errichteten Zweckbau in der Karmeliterstraße.