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In der Festung > Leben „wie damals" in der Festung

„Living History“

Dabeisein, zuschauen, miterleben wie es einst zuging. Moderne Geschichtsvermittlung setzt in besonderem Maß auf Publikumserlebnisse, die durchaus auch unterhaltsam sein dürfen. In diesem Sinne werden ab 2011 die beiden neuen Dauerpräsentationen auf der Festung Ehrenbreitstein durch zahlreiche Angebote ergänzt, die Aspekte der Festungsgeschichte als lebendige Aktionsdarstellung nachbilden.  

Neben der Büchsenmacher-Werkstatt und den beiden Führungen im Waffenrock „So lebten die Preußen“ und „Büchsen, Waffen und Granaten“ gehört zum Programm Living History auf der Festung Ehrenbreitstein der Festungskanonier. Auch 2012 wird er die Salutkanonen am Ort zu donnerndem Leben erwecken. Die so genannten „Katzenköpfe“ gehörten um 1780 schon zum Arsenal der kurtrierischen Festung. Die Kanonade ist Teil einer informativen wie kurzweiligen Vorführung historischer Waffen und Ausrüstung durch den „Oberfeuerwerker“, Herrn Höfer.

Eine andere Art der Geschichtsvermittlung verbindet sich mit dem Ewigen Soldaten. Ein Schauspieler stellt aus Sicht des „kleinen Mannes“ Historie dar: vom Mittelalter bis in die Gegenwart. Der „Ewige Soldat“ erzählt auf seinem Weg durch die Festung vom Leiden, Lieben, Bangen und Hoffen hoch oben auf dem Felsen. Er kennt noch die Geschichten, an die sich niemand mehr erinnern kann. Das erfolgreiche Schauspiel der Autorin und Regisseurin Dominique Caillat feiert dieses Jahr sein 10-jähriges Jubiläum auf der Festung Ehrenbreitstein.

360° Panorama: Helfenstein

Navigieren Sie bitte mit der Maus das 360° Panorama. (Erstellt von Olaf Nitz)

Historisches Leben in der Festung

Versorgung
Die Festung Ehrenbreitstein war für eine Kriegsbesatzung von 1.500 Mann mit 80 Geschützen ausgelegt. Die ganze Festung Koblenz war mit Verpflegung (auch Schlachtvieh) für mindestens drei Monate zu versehen.
Groß war der Bedarf an Wasser. Man brauchte es nicht nur zum Trinken, Kochen, Waschen und Löschen, sondern die Artillerie mußte damit die Geschützrohre nach jedem Schuß auswischen, und sie kühlte die Rohre mittels feuchter Tücher. 1826 war die Wasserversorgung der Festung eingerichtet. Das Wasser kam aus Quellen in den Turm Ungenannt und wurde dort mit einer dampfbetriebenen Pumpe in die Höhe gedrückt, um dann in Zisternen zu fließen. Dies waren das Verteilungs-Bassin im Ostende der Contregarde rechts und die Zisternen in der Contregarde links, im Ravelin, die schon um 1530 bestehende Zisterne unter dem Oberen Schlosshof (208 m³) und die 1797 in den Felsen gesprengte Zisterne unter dem Niederen Schlosshof (696 m³), dann die drei Zisternen vor der Südtraverse, unter dem Südlichen Abschnitt und unter dem Helfenstein. Als Notversorgung diente ein Brunnen im Nieder-Ehrenbreitstein, dessen Wasser ein Druckwerk auf die Höhe pumpte (1838-40). Der 57 m tiefe Brunnen unter der Niederen Ostfront von 1481-83 hatte keine Bedeutung mehr.
Die Pulvermagazine waren in der Festung verteilt. Es gab stark gegen Beschuss gedeckte Kriegs-Pulvermagazine und Verbrauchs-Pulvermagazine für den unmittelbaren Bedarf. Die Werke Nöllenkopf und Pleitenberg waren defensible Friedens-Pulvermagazine. Im Kriegsfall kam ihr Inhalt in die Festung, und sie wurden zur Verteidigung hergerichtet. Die Magazine besaßen nur an geschützten Seiten Lichtöffnungen; Kanäle im Mauerwerk sorgten für die Belüftung. Die Pulverfässer lagen auf Rosten; in Kisten lagerten Kartuschen und Gewehrpatronen. 1884 wurden alle Munitionsräume mit Stahlblechtüren und -läden versehen.
Der letzte Laden ist am rechten Seitenschiff der Kirche erhalten.

Die Garnison
In der Garnison Ehrenbreitstein als Gesamtheit der rechtsrheinischen Festungswerke lagen Teile folgender Infanterie-Regimenter: Infanterie-Regiment von Lützow (1. Rheinisches) Nr. 25 (1817-64); Infanterie-Regiment von Goeben (2. Rhein.) Nr. 28 (1820-23, 1840-60 und 1877-97; komplett 1897-1913); Infanterie-Regiment von Horn (3. Rhein.) Nr. 29 (1841-45); Infanterie-Regiment Graf Werder (4. Rhein.) Nr. 30 (1817-20, 1849-60); 6. Rhein. Infanterie- Regiment Nr. 68 (1860-77 komplett auf dem Ehrenbreitstein); Füsilier-Regiment Fürst Karl Anton von Hohenzollern (Hohenzollernsches) Nr. 40 (1833). An Festungsartillerie sind Teile folgender Regimenter nachgewiesen: Festungseinheiten des Feldartillerie-Regiments von Holtzendorff (1. Rhein.) Nr. 8 (1820-60); Rhein. Fußartillerie-Regiment Nr. 8 (1864-77); Fußartillerie-Regiment Encke (Magdeburgisches) Nr. 4 (1877-93); Schleswig-Holsteinisches Fußartillerie-Regiment Nr. 9 (1893-1918, auf Ober-Ehrenbreitstein und Fort Rheineck). An technische Truppen gab es: 1. Rhein. Train-Bataillon Nr. 8 (1853-1918, ab 1881 in der Münzkaserne); Mansfelder Pionier-Bataillon (1815); Feldkompanie des Garde-Pionier- Bataillons (1816); Westfälisches Pionier-Bataillon Nr. 7 (1817-33); 3. Rhein. Pionier- Regiment Nr. 30 (1913-1918). Bei Armierungen bildeten Landwehreinheiten dieser Waffengattungen die Besatzung.
Die Unterbringung der Soldaten entsprach dem Kasernen-Reglement. Die Mannschaftsstuben waren mit acht bis zwölf Mann belegt. Unteroffiziere hatten eigene Mehrbettstuben; Feldwebel und Offiziere bekamen mehr Raum. Jede bewohnbare Kasematte besitzt eine Nische für einen Kanonenofen. Da Speisesäle fehlten, nahmen die Mannschaften ihre Mahlzeiten in den Stuben ein. Die Feuerstellen in den Kasematten waren als Kochstellen für den Kriegsfall gedacht. Zur Verbesserung der Hygiene wurden Brause-Badeanstalten eingerichtet, 1884 am Turm Ungenannt und 1910 in der Langen Linie.

Aus:
Böckling, Manfred: Die Festung Ehrenbreitstein. Hrsg. v. Burgen, Schlösser, Altertümer Rheinland-Pfalz, Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz und Landesmedienzentrum Rheinland-Pfalz. – Regensburg: Schnell & Steiner 2004 (=Edition Burgen, Schlösser, Altertümer Rheinland-Pfalz; Führungsheft 17). S. 44-48 

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