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Luftbild Festung Ehrenbreitstein
In der Festung > Kunstresidenz Ehrenbreitstein

Goethe, Mozart, Brentano, La Roche: Zur Geschichte der Kunstresidenz Ehrenbreitstein

„Nie glaubte ich so heitere Morgende und so heitere Abende gesehen zu haben.“ Als Johann Wolfgang von Goethe diesen Satz schreibt, ist er ein alter Mann. Doch seine Erinnerung an Ehrenbreitstein ist noch stark. 23 Jahre ist er bei seinem ersten Besuch. Als der angehende Dichter aus seiner Kutsche steigt, ist er beeindruckt: Vor ihm thront majestätisch die Philippsburg. Der Amtssitz der Kurfürsten von Trier ist in einer der größten Barockbauten am Rhein, 116 m lang, unterteilt in sieben Flügel und drei Höfe, mit Parkanlagen und Yachthafen. Wohl arrangiert und in Spaziernähe zum Schloss liegt das Städtchen Thal. Die verspielten Gärten der Barockhäuser reichen bis an den Rhein, über das Kopfsteinpflaster rattern Postkutschen. Es herrscht geschäftiges Treiben. Frauen in Seidenkleidern flanieren über die Straße.

1772 erlebte Goethe die höfisch kultivierte Residenzstadt, in der neben vielen Künstlern auch Deutschlands erste Romanschriftstellerin, die Autorin Sophie La Roche, wohnte. Ihr und ihrem Mann, einem einflussreichen Politiker, galt sein Besuch. Es blieb nicht sein einziger. Thal – wie Ehrenbreitstein damals hieß – stand in der Blüte seiner Existenz.

Barock bäumt sich die Geschichte vor dem Betrachter auf
Die Philippsburg ist Geschichte. 1801 wurde sie beim Rückzug der Franzosen zerstört. Doch es sind Reste der kurfürstlichen Macht am rechten Rheinufer erhalten geblieben. Eines dieser unübersehbaren Zeugnisse ist der Marstall, der am Ortseingang von Ehrenbreitstein die Blicke auf sich zieht. Wild bäumt sich ein Pferd aus Sandstein über seinem Eingangsportal. Mit einem Stall im modernen Sinne hat der Prachtbau nichts gemein. 1761 im Stil des Rokoko erbaut, war der Marstall pures Imponiergehabe. Und diese Funktion erfüllt er bis heute glänzend.

Übrig geblieben aus der Zeit Kurfürsten sind auch die schlossartigen Verwaltungsgebäude (Dikasterien) und das Pagenhaus (Pagerie). In den Dikasterien, die sich vor dem Marstall und längs der Bundesstraße 42 erstrecken, hat der letzte Kurfürst sogar zeitweise gewohnt: Sein Schloss war über die Jahrhunderte zu feucht geworden. Im etwas abseits gelegenen Pagenhaus waren Bedienstete zu Hause. Wer genau hinsieht, erkennt im Giebel ein Wappen, darin den Krummstab und das Schwert: die Symbole der geistlichen und weltlichen Macht. Es sind die Kennzeichen der Trierer Herrscher. Sie waren nicht nur Kurfürsten, sondern auch Erzbischöfe.

Die Kraft des Wassers: Wie das Leben am Fuß der Festung begann
Seit dem Jahr 1020 gehörte Ehrenbreitstein mit seinem schroffen, 118 m hohen Felssporn zu Kurtrier. Zuvor lebte eine Grafenfamilie namens Ehrembert oder Ehrembrecht auf dem Felsmassiv. An diese Familie erinnert der Name Ehrenbreitstein bis heute. Er kennzeichnet gleichermaßen den Fels, die Festung und den Ort. Unterhalb der mittelalterlichen Höhenburg liefen Bäche durchs Tal, Mühlen nutzten die Wasserkraft. Das Gewerbe gab der Siedlung ihren ersten Namen: Moelen oder Mulin, später Mühlheim im Thal.
Mit dem Dreißigjährigen Krieg kam Bewegung in den Ort. Sie kam in Gestalt des Kurfürsten Philipp Christoph von Sötern. Aus Angst vor den Franzosen verlegte er seine Residenz von Trier an den Rhein. Im Schutz der alten Festung ließ er ein neues Schloss bauen. Philippsburg wurde es ihm zu Ehren genannt. Und die Müller? Wohnten von nun an im Philippstal. Doch eine wirkliche Flucht vor der Gewalt des Krieges gab es nicht. Am 5. Mai 1636 erreichten französische Truppen Ehrenbreitstein und brannten alles nieder. Es hätte das Ende sein können. Und war doch ein Anfang. Denn die Trierer Erzbischöfe gaben den Ort nicht auf. Die Nachfolger von Söterns begannen mit dem Wiederaufbau.

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