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In der Festung > Spurensuche in der Festung

Frühe Funde und Befestigungswerke auf dem Felsen Ehrenbreitstein

Axel von Berg

Im Rahmen der Aufarbeitung der Festungsgeschichte führte die Generaldirektion Kulturelles Erbe Untersuchungen und Ausgrabungen durch, um eventuelle Hinweise auf eine ältere Besiedelung zu erhalten. 

Zahlreich sind Funde, die in die späte Bronzezeit, in die Zeit zwischen 1.200 und 900 v. Chr. datiert werden können. Zudem konnten überraschenderweise nun auch Baubefunde aus dieser frühen Zeit dokumentiert werden, die zu den frühesten Wehranlagen auf dem Festungsplateau gehören. Erhalten ist als Abschnittsbefestigung ein in den Felsen gearbeiteter Palisadengraben, der den südlichen Geländesporn vor der eigentlichen Plateaufläche sperrte (Abb. 1). Mit dem spätbronzezeitlichen Palisadengraben beginnt die lange Geschichte der Wehranlagen und Festungen auf dem Ehrenbreitstein bis in jüngste Zeit.

Einen weiteren Schwerpunkt bilden Funde, die in die eisenzeitlich/keltische Hunsrück-Eifel-Kultur datieren. Als herausragender Fund aus dieser Zeit liegt ein fast vollständiger, tordierter bronzener Halsring mit Hakenverschluss vor (Abb. 2). Die reichhaltigen Funde an dieser Stelle weisen auf eine weitere befestigte Höhensiedlung der Eisenzeit hin, die hier gegenüber der Moselmündung seit dem 7. Jh. v. Chr. bestanden hat.

In römischer Zeit ist auf dem Ehrenbreitstein nach den Funden ein befestigter „burgus“ nachweisbar, der bis in das frühe 5. Jh. n. Chr. belegt ist. Die Münzreihe der bisher entdeckten antiken Münzen beginnt mit dem 2. Jh. n. Chr. und endet mit Prägungen des Kaisers Magnus Maximus um 388/390 n. Chr. (Abb. 3). Schleudergeschosse aus Bronze und Blei aus dem Festungshang belegen Kampfhandlungen im Zuge der Verteidigung des spätantiken Rheinlimes im 4. Jh. n. Chr.

Karolingische Keramikfunde und frühmittelalterliche Waffen belegen mit dem 9./10. Jh. den Beginn der mittelalterlichen Befestigungen auf dem Plateau des Ehrenbreitstein. Diese Funde deuten auf eine befestigte Anlage an dieser Stelle, aus der im 10. Jh. die erste erwähnte Burg hervorgegangen ist.

Aus der 2. Hälfte des 12. Jh. stammt der heute verfüllte sog. „Hellengraben“, der Halsgraben der mittelalterlichen Burg, der durch den Trierer Erzbischof Hillin angelegt wurde und die Burg an dieser Stelle sichern sollte. Der Halsgraben wurde bei Grabungen in den Jahren 2003 und 2004 fast auf ganzer Länge freigelegt und dokumentiert. Der massive mehrere Meter breite und tief in den Fels gearbeitete Graben riegelte wie der alte vorgeschichtliche Palisadengraben den südlichen Sporn zum nördlichen Plateau hin ab.

Die burgseitige, südliche Wange des Grabens ist im Originalzustand überliefert, hier sind noch die Widerlager der Zugbrücke erkennbar. Die nördliche Grabenwand zum Plateau hin war durch die Bautätigkeit zur Errichtung einer bastionierten Anlage des 16. und frühen 17. Jh. und des sogenannten „Hellenbaus“ abgemauert und durch Abarbeitungen weitgehend verändert. Die Verfüllung des Hellengrabens begann nach den Funden erst im späten 17. Jh. unmittelbar nach der Beschießung der Festung im Jahre 1688. Auf dem Schutt wurde in dieser Zeit im weitgehend noch offenen Halsgraben ein großes Kellergewölbe entlang der Grabenrichtung eingefügt. Das gewaltige Kellergewölbe, das heute noch ansatzweise erkennbar ist, bildet die Substruktion der ehemals darüber errichteten Residenzbauten, die im späten 17. Jh. bzw. frühen 18. Jh. unter den Trierer Kurfürsten Karl Kaspar von der Leyen und Johann Hugo von Orsbeck errichtet wurden. Wappensteine des Kurfürsten Johann Hugo v. Orsbeck aus dem Schutt des Gebäudes belegen die rege Bautätigkeit in dieser Zeit (Abb. 4). Nach der Sprengung der alten kurfürstlichen Festung und der Residenzbauten durch französische Truppen errichteten die Preußen im 19. Jh. auf dem Sporn die klassizistische Großfestung.

Zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel sind bisher folgende Bücher erschienen:

Download-Icon Publikationsliste zur Archäologie an Mittelrhein und Mosel (442.88 kB)